DEBATTERIE! Antagonismen aufführen

Oktober 2016 — April 2017

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DEBATTERIE! Antagonismen aufführen

Le coq est mort

LILLY BOSSE, CORDULA HEINS, CAROLINE SPEISSER
Spektakulös gestikulieren amoklaufende Leidenschaffende und vorne dabei die Debattiere, die kanonisch und unglaublich tierisch gut Schlagzeug spielen. Verheerende Töne breiten sich debakulös in der Tütensuppe aus, die unter anderem erfrorene Raubtiertentakel ins Schockzustandsgetöse erregt. Tanz mit mir, so vertreiben wir Egalité und intravenöse Gedanken im Hühnerstall. Ein Wortschlag in der Geschichte.

Wortschlager / 2.11.2016

DEBATTERIE! Antagonismen aufführen - Le coq est mort - Wortschlager from Sirrkopp und Synkope on Vimeo.

Le coq est mort / 5.11.2016


Wir sind Lilly, Caro und Cordula. Wir sind manchmal ein Team und manchmal allein unterwegs. Im Sommer 2015 machten wir gemeinsam unser Diplom an der Hochschule für Künste Bremen.
Ein leerstehendes Haus, drei Wochen Zeit, vier Etagen, zehn Arbeiten und ein selbstverfasstes satirisches Regelwerk waren Ausgangspunkt der Auseinandersetzung für unsere Abschlusspräsentation. Wir ließen den Raum auf uns zukommen, produzierten Sinn und Unsinn, brachen unsere eigenen Regeln, fanden Metaphern und Bilder und spielten mit den inhaltlichen Schnittstellen unserer Arbeiten. Für den Tag unseres Diploms fanden wir eine performative Erzählform - mit fünfzehn weiteren Darsteller_Innen, viel Poesie, Musik, Sound, Kostümen, Masken, Fotografien, Illustrationen und Mode. Wir erzählten eine Geschichte, die Fragen fragt, die die Welt poetisiert, karikiert oder einkariert. Wir sinnierten über die Form und die Nichtform, über die Suche nach Menschlichkeit und ihrer Deformation, über das Schweinesystem und individualisierte Massenprodukte, über Grenzen und Grenzen sprengen, über den Sinn und den Unsinn.

Wir mögen Räume und die Konfrontation mit Ihnen. Wir gehen in Räume und schreiben, basteln, schneidern, musizieren, kackophonieren, telefonieren, intervenieren. Sie bieten uns ein Quadrat zum Denken und sind ein Spielplatz um Quadrate zu sprengen. Danke für das Quadrat im Steintor.

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„How To Face Doomsday without Really Dying“

Konversationen mit Judith Merril
CHRISTINA ERTL-SHIRLEY

How To Face Doomsday Without Really Dying bei thealit DEBATTERIE! Dezember 2016

Judith Merril (1923-1997) war eine Pionierin unter den Science Fiction Autorinnen. Sie schloss sich in den 1940er Jahren in New York den “Futurians” an und ihre stundenlangen ideologischen Auseinandersetzungen mit den anderen Mitgliedern der Gruppe zu politischen Themen wurden legendär. Die lautstarke Dissidentin des Vietnam Krieges, die 1968 nach Kanada auswanderte, war Publizistin, Radioautorin, Mentorin, Science-Fiction-Spezialistin im kanadischen TV und eine brilliante, argumentative und konfliktfreudige Person die mehrere hunderte Stunden an Gesprächen mit zeitgenössischen Schriftsteller*innen (Ursula Le Guin,Isaac Assimov, Katherine McLean…) auf Tonband aufgezeichnet hat. Merril nutzte all diese Medien als Foren für politische Debatten.

Ich erhielt Zugang zu Merril´s Archiv mit unzähligen Kartons gefüllt mit Briefen, Kilometer langen ungeschnittenen Tonbändern, Manuskripten etc. Aus dieser Fülle an Material habe ich begonnen experimentelle Audio-Konversationen und Debatten mit Judith Merril zu führen. Diese möchte ich beim Thealit Lab gemeinsam mit Interessierten in Form von Briefen, Diskussionen, Klangexperimenten, Interviews u.a. weiter führen und diese in einer abschließenden Klangcollage vorstellen.

Ein Hör-Eindruck (42 sec) bezüglich Merills Vorstellung, was im 21. Jahrhundert Sache sein wird gibt’s hier

Über den Film "What If...?"

A Film about Judith Merril
Produced by Imageries P.B. Ltd., Helen Klodawsky, director, Richard Elson, producer
52 minutes
Released 2001 by Filmakers Library

Science fiction writer Judith Merril, who died shortly after the filming, rocketed to success with her first story "That Only A Mother" in 1948. In those years science fiction was considered "junk." Until the50s, space travel had "only macho interest." When women entered the field—and Merril was one of the first—they introduced concepts of interplanetary communication rather than conquest. Merril reminds viewers that the concept of the space program grew out of science fiction—that the wanderings of man's (and woman's) imagination leads to unknown worlds. Today, she says, the gap between imagination and implementation has become very short. Sociologist Barry Wellman joins with futurist Stanford Beer, author Dennis Lee, and science fiction writer Elisabeth Vonarburg to evaluate Merril's contribution. Judith Merril was in the illustrious company of Arthur Clarke and Carl Sagan in the formation of the Planetary Society, a group to contemplate the universe with science, imagination, and philosophy. With disheveled gray hair and a mischievous glint in her eye, the first lady of science fiction discloses what brought her to distant galaxies to contemplate the possibilities of space. Even those who are not afficionados of science fiction may want to take another look at the genre after being in the company of this passionate, politically committed, and daringly inventive feminist, a pace setter in her field.

Christina Ertl-Shirley, geb. in Wien, lebt und arbeitet in Berlin. Realisiert Radiofeatures, Klangkunst und Hörspiele. Gerne in Kollaboration mit anderen Künstler*Innen, aber auch solo.

Veröffentlichungen z.B. bei: Deutschlandradio Kultur, rbb Kulturradio, WDR3, Museum Ludwig, Museums Passage Wien, Berlin Biennale, Museruole Festival (Italien), Errant Bodies (Berlin), Haus der Kulturen der Welt, Sophiensaele.

Seit 2012 Teil vom feministischen Radiokollektiv SissiFm, das Radiosendungen, Festivalradio und Workshops kreiert.
http://c-e-s-c-e-s.tumblr.com/
http://sissifm.tumblr.com/

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Wie „hasse“ ich richtig?

Strategien gegen Hassrede im Netz entwickeln und erproben
TORSTEN FLÜH
Zur aktuellen Debatten-Kultur in den Sozialen Netzwerken gehört in zunehmendem Maße die Hassrede. Ob man sich im Internet für Flüchtlinge, gegen Rassismus, für Feminismus, gegen Sexismus oder gegen Homophobie einsetzt, man bekommt oft vor allem Hass als Reaktion im Netz zu spüren. Wie lässt sich damit umgehen?
Hassrede im Netz wurde bereits auf Twitter von Stiftung Warentest aufgegriffen. Der Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) fand das unter „#Hasskriminalität“ richtig. Die Bundesstiftung Stiftung Warentest listete unter „Hassrede im Netz und ihre Konsequenzen“ sozusagen eine Kostentabelle von Formulierungen, die mit Geldstrafen zwischen 1.380 Euro und 5.000 Euro verurteilt wurden.
Die Meinungs- und Pressfreiheit ist in der Bundesrepublik Deutschland hingegen ein besonders hohes Rechtsgut, ohne das eine Zivilgesellschaft nicht funktionieren kann. Journalistinnen und Moderatorinnen wie Dunja Hayali können sich gegen anonyme Hassmails und Drohbriefe nur schlecht wehren. Die von Stiftung Warentest gelisteten Geldstrafen helfen dafür gar nicht.
Was ist zu tun? Was kann ich machen? Welche Strategien lassen sich entwickeln und erproben? Aushalten? Zurückhassen? Lachen? Muss ich überhaupt hassen? Love back? Anders debattieren?

Der Strategien-Workshop wie „hasse“ ich richtig? richtet sich insbesondre an queere, feministische und migrantische Aktivist_Innen und dient ihrem Empowerment. Er wird mit einem In-Put-Referat eröffnet. Screenings sowie versuchsweise Live-Aktionen finden in der Debatterie statt.
Torsten Flüh (geb. 1962) arbeitet als Literatur- und Medienforscher in Berlin.
Die Spannbreite seiner Arbeiten reicht von „Hamburger Textgänge“ (2001 zus. mit Heike Brandstädter) über Queer und Gender Studies bis zum Kultur- und Medienblog NIGHTOUT@BERLIN (seit 2009 mit über 500 Besprechungen). Er hat u. a. „Photographie als Schrift“ (Diss. 2007) und „Preussens Feuerland“ (2008) sowie den Roman „Feuerland“ (2012) veröffentlicht. Sein neuester Aufsatz „Bloggen – Zu einem Blog an der Schnittstelle von Journalismus, Literatur und Wissenschaft“ in „Gegenwartskultur als methodologische Herausforderung der Kulturwissenschaft(en)“ ist 2016 erschienen.

Er hat an Universitäten in Hamburg, Marburg und Berlin unterrichtet. Dazwischen war er als Lektor an der Universitäten in der V.R. China und Irland tätig.

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Genitals on Trial

GIEGOLD & WEIß
„Genitals on Trial“ diskutiert eine erzwungene Debatte
über /Auseinandersetzung mit Intimsphäre und die Frage für wen diese gewahrt bleiben darf.

Das installative Live Event reagiert auf Gerichtsurteile in England und Schottland, bei denen junge Transsexuelle zu Haftstrafen verurteilt wurden, weil sie sich während eines Rendevous nicht zu ihrer Geschlechtsidentität bzw. dem Aussehen ihrer Genitalien äußerten.

Eine Gerichtszeichnerin sowie eine Protokollantin sind vor Ort. Besucher_innen haben die Chance, Teil der Arbeit zu werden, indem sie in einer Audiokabine eine Beschreibung ihrer Genitalien einsprechen.

Die Gerichtszeichnerin hört per Kopfhörer mit und setzt live die Worte in Skizzen um. Parallel wird protokolliert. (Die Anonymität der Person in der Kabine wird zu jedem Zeitpunkt gewahrt.)

Beides – Zeichnung und Protokoll – können als Projektionen verfolgt werden.

Neben der Debatte um das Recht auf Privatsphäre interessiert die Gegenbehauptung zu der Annahme, es gäbe ausschließlich zwei Geschlechter. Außerdem die Zeichnung als eigene Sprache, die Übersetzung als absolute Fehlerquelle, das Entstehen von Neuem durch „Fehler“, die Sprachlosigkeit die zu Bildlosigkeit führt, das Schaffen von Bild-/Wort-Archiven.

Die Kommunikation mit einem britischen Trans*Aktivist und Jurist sowie collagierte Medienberichte zu den vielfach kritisierten Prozessen komplettieren als dritte Projektion das zweistündige Event.

www.giegold-weiss.de/en/artwork-en/genital-on-trial.html
Wie durch ein Sprachrohr lassen Giegold & Weiß in ihren Mixed-Media-Installationen unterschiedlichste Stimmen sprechen. Ihre partizipativen Ausstellungsformate haben ein einzigartiges Moment der Kommunikation, in welchem Besucher_innen Themen auf einer intuitiven Ebene begegnen dürfen. Als Duo bereiteten sie Alltagsthemen so auf, dass neue Sichtweisen und neue Bilder jenseits vorgefertigter Meinungen entstehen.

Was ist normal? Wer ist normal? Gibt es Bilder der Normalität? An welchen Orten richtet sich Normalität gegen uns? Normalität ist kontinuierlicher Veränderung unterworfen - kann die Normalität einzelner Menschen sich verändern oder ist sie ein fester Wert? Wo wird Normalität geschaffen und reproduziert?
Gibt es - dokumentierende? - Bilder der Normalität?

Interpretationen und Übersetzungen sind künstlerisches Mittel und gleichzeitig ein Thema der Kunst von Giegold & Weiß.

www.giegold-weiss.de

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Ohne Worte, Mußestunde mit Einwänden

CHRISTINA GOESTL
Laden-Besetzung / Schaufenster-Bespielung / Raum-Gestaltung.
Dann: Eine künstlerische Intervention, ohne Worte, Körperspiel.
Auf den Spuren feministischer Gesprächskultur und/oder:
„Glattes Eis / Ein Paradeis / Für den, der gut zu tanzen weiß.“
(Friedrich Nietzsche in: Die fröhliche Wissenschaft)
Christina Goestl arbeitet in den Bereichen Audiovisuelle Live Performance und Digital Video, entwickelt interaktive Applikationen und besitzt als Netzpionierin ein umfassendes Dossier an Web Art.

Sie operiert mit Serien, Sequenzen, Modulationen und Loops, Superpostitionen, Cut-ups und elektronischen Impulsen sowie den Auswirkungen einer lustvollen Zweckentfremdung technologischer Hilfsmittel. Wesentliche Aspekte ihrer künstlerischen Arbeit sind Rhythmus, Dynamik, Bewegung und Temporalität, kommunikative Schnittstellen und Zeichensysteme, die sie mit Sex-positivity und queeren Diskursen verschränkt. Sie arbeitet an einer Re-Konfiguration von Körperbildern durch radikale Unterwanderung normativer Codes.

Ihre Ausstellungen, Installationen, Interventionen und Performances fanden international an einer Vielzahl von Orten statt, auf der Strasse und an subkulturellen Orten ebenso wie im Museum und im Internet.

E-mail: wizard@cccggg.net
Weblinks: www.cccggg.net
www.clitoressa.net

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[entfällt] Die Gesten des Disputs

EUGENIA GORTCHAKOVA † 07. Dezember 2016
Debatte ist eine Form der Kommunikation, die auf dem Zusammenstoß verschiedener Standpunkte beruht. Wir debattieren, um zu lernen, mit verschiedenen Standpunkten umzugehen, zu überzeugen oder auch Übereinstimmung zu suchen.

Wie in kaum einer anderen Form der Kommunikation ist die Körpersprache in Debatten von entscheidender Bedeutung. Allgemein wird nur 20 Prozent der Information verbal übermittelt, den Rest verstehen wir durch Gesten, Mimik, Bewegung, Kontext - oftmals bildhaft. Deswegen sollen uns Bilder mit Gesten als Material für unsere Untersuchung dienen. Gerade in Gemälden, die Zeit konzentrieren, wählt die Künstler*in die intensivsten Gesten, um die Dynamik eines Disputs zu verdeutlichen.

Klassische Gemälde aus einer großen Zeitspanne, die gestisch eine Debatte, einen Streit ausdrücken, werden analysiert. Mit Hilfe der Silhouetten-Technik, der klassischen Kunst des Schattenrisses vor hellem Scheinwerferlicht, werden Szenen nachgestellt, um zu einer eigenen Debatte zu kommen. Ziel ist, antagonistische Standpunkte bildlich zu analysieren und Gründe der Polarisierung in darstellerischer Arbeit nachzuvollziehen.
† 07 .Dezember 2016
Eugenia Gortchakova (geb. in Kirov/Ru) lebte und arbeitete in Oldenburg/DE. Studium der Philologie und Kunstgeschichte an der Staatlichen Universität Moskau, Teilnahme an zahlreichen Biennalen und Festivals, darunter die Sarajevska Zima 2014/16, Videomedeja Novi Sad/Serbia 2015, Deutsche Tage in St.Peterburg und Chelyabinsk/RU 2014, Holiday of Holidays, Haifa 2013, 5.Moskauer Biennale 2013, die Graphik-Triennalen Wien 2010/2013, Novosibirsk Biennale 2009/12, und die 49, und 51. Biennale Venedig 2001/ 2005. Ausgezeichnet mit zahlreichen Stipendien und Preisen.

www.eugenia-gortchakova.de

o.T.

KATRIN HEYDEKAMP
Das Objekt greift Mechanismen auf.
Es ist alles, was es zu sagen gibt.
Es ist ein Monolog.
Es verweigert sich.
Es präsentiert sich.
Es behauptet sich.
Es befestigt sich.
Es ist ein streitbares Objekt.
Eine Fortifikation.

Künstlerinnengespräch zwischen Katrin Heydekamp und Marlene Denningmann zu dem Objekt o.T. von Katrin Heydekamp
zu hören am Samstag 4.02. 16.00 Uhr unter Radio Weser TV UKW 92,5 // Antenne 101,86

Katrin Heydekamp, Meisterschülerstudium bei Natascha Sadr-Haghighian
2009 - 2015 Studium Freie Kunst, Hochschule für Künste Bremen bei Yuji Takeoka, Natascha Sadr-Haghighian
WS 2013 - SS 2014 Auslandsstudium, Akademie der bildenden Künste Wien bei Monica Bonvicini und Heimo Zobernig

Ausstellungen (Auswahl)
2016 "trafo of art", OnArte, Minusio (CH)
2016 „Heal The World“, Meisterschülerausstellung, Weserburg Bremen
2016 „Bremer Förderpreis für bildende Kunst“, Städtische Galerie Bremen
2016 „Exit Dilemma“, Baywatch Showroom, Bremen
2015 „Nüthen Temporary“, Nüthen Temporary, Bremen
2015 „LOT - Lack of Transmission“, North End Studios, Detroit (US)
2015 „LOT - Lack of Transmission“, China Town, Toronto (CAN)
2015 „The Sump Show“, The Sump, New York (US)
2015 „Amerika“ mit Nora Olearius, Galerie Flut, Bremen

→ Programm

The Breakfast Club

IASON LEAVITT, CHARLOTTE LIVINE, LUKA PAPIĆ, RADOŠ VUJAKLIJA
The Breakfast Club ist eine Gruppe von vier Personen, die am frühen Morgen über verschiedene Themen durch Töne und Musik miteinander debattieren.

Um 7:00 sind alle herzlich eingeladen, ein gemeisames Frühstück mitzuerleben. Langsam aber stetig nehmen die Performer*innen ihre Plätze als Debattierer*nnen ein.
Die Audio-Performanz fängt an. Das Thema der Debatte wurde vorab entschieden. Die Argumente sind gut ausgearbeitet. Jeder hat Zeit seine Argumente auszudrücken. Dann, wenn alles auf dem Tisch liegt, können die Argumente gegeneinander stoßen. Die Debatte fängt an.


The Breakfast Club ist eine Performancegruppe aus Hamburg, die sich hauptsächlich mit Ton und Raum beschäftigt. Iason Leavitt, Charlotte Linien, Luka Papić, und Radoš Vujaklija stammen alle aus den Künsten, aber mit unterschiedlichen Interessen und Schwerpunkten. Zum Beispiel: Filme machen, konzeptuelle Video-Installationen entwickeln, Musik produzieren, Arbeit im Raum und zur Autorität von Schrift. Ton ist aber für alle immer dabei. Jeder und jede bringt seine oder ihre eigene Art und Weise mit, mit Ton zu arbeiten. Im Kontext der Debatten des Breakfasts Clubs vereinigen sich seit Anfang 2016 diese unterschiedliche Vorgehensweisen (Elektronische Musik, experimentelle Anordnungen, Fieldrecording, verschiedene Instrumenten etc.), um einer Narration der Konfrontation Gehör zu verschaffen.

→ Programm

Disputatio & Quiproquos

CHARLOTTE LIVINE
Disputatio & Quiproquos bezieht den Begriff der Debatte auf das Spiel, in dem sie ihre ursprüngliche mittelalterische Form überträgt. Tatsächlich hatte einst der "debas" oder "disputatio" eine andere Wirkung als die heutiger Debatten. Zum Beispiel dann wenn zwei Troubadours der Rhetorik zuliebe in einem poetischen Dialog kämpften, oder, als Winter und Frühling sich in Romanen in Gesprächen gegenüber standen. Einerseits war hier das Thema unwichtig: die Redekunst selbst war Anlaß und Regel vom Spiel. In des war sie nicht auf das Wahrheitsprinzip als Bewertung des/der Debattierer*in fixiert. Andererseits waren die Werte im Spiel der Figuren selbst, die den "debas" führten, Allegorien. Ob Unterhaltung oder Gedanken anstoßende Erziehungsmethode, die Verfechterkonnten sich anlässlich beider Formen des "debas" auf den Bereich der Fiktion verlassen. Dieser Aspekt ist durch die als pragmatisch angesehene Anwendungen der Debatte heutzutage vergessen worden.
Disputatio & Quiproquos stellt das Spielerisch in der Debatte durch participative Formen aus. Wie kann man die Bäume dem Wald absprechen? Disputatio ist ein Kartenspiel, wo man um die Wörter kreisen soll, und die Plausibilität der Wahrheit vergessen darf. Die Regeln werden erklärt. Jeder ist eingeladen mitzukämpfen, um seine neue Identität als eine Allegorie zu beweisen, und davon die anderen zu überzeugen.

Hin und her, immer wieder, allegoria in dictis - Kettenreaktionen um das immer wechselende letzte Wort ist ein inszenierter Moment zwischen Vortrag und Theaterstück, dass eine Debatte darstellt, die uns entlang chronologisch geordeneten Beispiele von aus einer gewählten Geschichte des Theaters entgenommenen Debattesituationen führt. Immer wieder verwandeln sich die Figuren, ihre Persönlichkeiten, ihre Meinungen und Werte gemäß ihrem Antrieb, Recht zu haben.
Charlotte Livine kommt aus Frankreich. Nach ihren Studien in Paris und Dijon, zieht sie in 2011 nach Hamburg um. Dort studiert sie zur Zeit im Masterstudiengang im Bereich Zeitbezogene Medien bei Prof. Meliàn an der Hfbk.
Nach ihrem Interesse für das Dramaturgische und unterschiedliche Vorgehenweisen im Theater verarbeitet sie ihre Raumarbeiten mit Drehbücher und Regieanweisungen, die in unterschiedlichen Formen und Verhältnisse gedacht sind. Die Ausstellungsbesucher*innen sind angehalten diesen Anweisungen zu folgen, oder in ihnen mitzuwirken, und werden somit von Betrachter*innen zu Akteur*innen in einer von der Künstlerin konzipierten Kulisse.

Lecture-Play am 1. und 2.12. by Anna Schönbeck, Maximilian Schuch und Pia Steiner → Programm

Sie hören nun das Hörspiel: Woman on the edge of time nach dem Roman von Marge Piercy

Konzept, Textbearbeitung, Regie und Realisation: Künstler_innengruppe WORMS
NORA MAIER, LAURA POPPLOW UND SAMAN ANABEL SARABI
Das Radioplay ‘Sie hören nun das Hörspiel: Woman on the edge of time nach dem Roman von Marge Piercy. Konzept, Textbearbeitung, Regie und Realisation: Künstler_innengruppe WORMS’ ist eine experimentelle Radioanordnung, die die unterschiedlichen Effekte von gesprochener Sprache in gesendeten Radiosendungen untersucht und die Konstruiertheit der vermeintlich demokratischen Form Debatte und des Mediums Radio gleichermassen aufzeigt. Die Verstrickungen von Sprache und Macht und welche Rolle das Radio hier spielen kann werden neu verhandelt.

Eine Live-Sendung am 7. Januar 2017 um 19 Uhr im öffentlichen Arbeitszimmer des thealits Bremen versammelt Gäst_innen, Zuhörer_innen, Sprecher_innen, Gastgeber_innen, Antagonist_innen, Freund_innen, Kolleg_innen und Nachbar_innen, die teilhaben werden an den Rahmenbedingungen einer aussergewöhnlichen Debatte und ihrer Sendung.

Ab 20:15 Uhr: Conversational Tool, ein Kartenspiel zu unserer Zukunft mit Laura Popplow, Anabel Sarabi und allen anwesenden Gäst_innen, die mit uns gerne gemeinsam über die nahe und ferne Zukunft spekulieren wollen. Welcome! Take a risk and play with us (adapted and extended from Philippine Hoegen).

Live-Radioplay: 'Sie hören nun das Hörspiel Woman on the edge of time nach dem Science-Fiction Roman von Marge Piercy in einer Bearbeitung der Künstler_innengruppe WORMS.' Konzeption und Text: Anabel Sarabi, Konzeptionelle Mitarbeit und Recherche: Nora Maier, Stimmen: Philipp Fürnkäs, Johann Kuithan, Nora Maier, Laura Popplow sowie Anabel und Sabrina Sarabi.


WORMS Künstler_innengruppe is an artist collective that was from the very beginning on set in between fiction and social reality. Over the period of its existence it surfaces in a number of (artists') collectives, most of which do not have any conscious known that they are worms members. Furthermore some of these (artists') collectives are fictions such as the 'visceral realists' from Roberto Bolanos' The Savage Detectives or the group gathered around Oop, Ool, Oom, Boob, Baby Oo Oo within Ursula K. le Guins 'The Carrier Bag Theory of Fiction'.

In particular, WORMS surfaced many collectives such as Rivolta femminile, Die Aktion, the Situationnists, an.schläge, Superstudio, Arbeitsrat für Kunst, Art&Language, Der Schritt Vorwärts from Bern in the 1930', Pelikangroup from the 2020`s or coexistent. Currently WORMS is sharing ideas, memories, knowledge, time, experiences, predictions, googledocs, dreams and many more resources with the firm intention to co-create counter knowledge based on a crosstemporal and transtemporal approach with The Art Commons, Center of inefficiency, bblackboxx, Corner College Collective, Expo2027, Raumfalterinnen and Kuckuckslabrador.

The public activities of WORMS encompass artistic forms of intervention, counter public, critic and education within the art-context, in distance to the art-context, public space, digital media and publications, in particular the publications of the publishing plattform hightime and in the overlappings fields of these contexts.

→ Programm

1972, 1988, 1999, 2014, 2017 – Wissen & Wiederholung

NITSCH/KABISCH (LAURA NITSCH & FRANZISKA KABISCH)
Nitsch/Kabisch zeigen ihre Videoinstallation 1999, die das Verhältnis von den Inhalten einer Debatte zu ihrem strukturellen Rahmen untersucht – unter der Frage „Was steht bei einer Debatte nicht zur Debatte?“ werden die unsichtbaren „Stabilisatoren” der Debatte/ierenden thematisiert und selbst zur Debatte gestellt.
Ausgehend von einem „westlichen” Kanon-Theorietext, einem Gespräch zwischen Michel Foucault und Gilles Deleuze von 1972, in dem das Spannungsverhältnis zwischen politischer Praxis und Formen ihrer (theoretischen) Repräsentationen im Vordergrund steht, legt 1999 den Fokus auf die Performativität des Wissens.

Im Thealit Lab 2017 wollen wir in Weiterentwicklung (/Aktualisierung) des Projektes 1999 an einem Gesprächsabend die „akademische Debatte“ auseinandernehmen. Zusammen mit eingeladenen Gäst_innen aus queer-feministischen, dekolonialen und anti-klassistischen Kontexten wollen wir die Fragen diskutieren: „Schließt die akademischen Wissensproduktion außerakademische Positionen des kritischen Denkens und Handelns aus, um sich mit dessen Repräsentation zu profilieren? Welche Formen der transgressiven Kooperation gibt es, um über Repräsentation und Verantwortung hinaus zu handeln?”


Laura Nitsch und Franziska Kabisch sind Freunde, KünstlerInnen, Frauen*, Aktiv_istinnen, LeserInnen, Sprecherinnen, Zuhörer*Innen usw. Alles beinhaltet notwendigerweise ein Miteinander, manchmal zwischen den beiden, mal mit anderen, mal im Gespräch mit Bild und Text. Sie verorten ihre diversen Praktiken im Kontext kritischer Wissensproduktion, innerhalb und außerhalb der Universität, in Hamburg und Wien.

Gesprächabend Gast: María do Mar Castro Varela
Sie ist Professorin für Allgemeine Pädagogik und Soziale Arbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin.
In 2016 war sie Senior Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) in Wien.
Sie ist Diplom-Psychologin, Diplom-Pädagogin und promovierte Politikwissenschaftlerin.
Ihre Arbeitsschwerpunkte sind: Postkoloniale Theorie, Gender und Queer Studies und Critical Education.


→ Programm

Das Spiel vom Reden

JULIA NOVACEK
In den vergangenen Jahren wurden verschiedene PolitikerInnen des Plagiierens überführt. Sie reagierten mit öffentlichen Geständnissen und Entschuldigungen. Das politische, medial inszenierte Geständnis ist der zentrale Fokus der Arbeit DAS SPIEL VOM REDEN. Mittels des Reenactments wurden Entschuldigungsreden für das Klauen fremder Texte geklaut, um geklauten Text mit geklauten Gesten zu performen. Zwei Kameras folgen dem Geschehen der inszenierten Pressekonferenz. Die eine Kamera kopiert die Bilder der anderen. Der Frage nach dem Original wird so auch auf formal-ästhetischer Ebene nachgegangen.

In Anknüpfung an DAS SPIEL VOM REDEN findet am 25. und 26. März eine Durational-Performance statt, in der dem Spannungsfeld von authentischen Geständnissen und Kopie im Live-Moment nachgegangen wird.
Julia Novacek (*1989) lebt in Gießen und Wien und ist Videokünsterin und Performerin. Studium der Kunst und digitale Medien und Kunst und Film, Akademie der bildenden Künste Wien. Seit 2014 weiterführendes Studium der Angewandten Theaterwissenschaften, Gießen.

Ihre medien-installativen Arbeiten waren in Gruppen-ausstellungen/Screenings u. a. zu sehen im MUMOK Kino (Wien), WUK (Wien), Brut Konzerthaus (Wien), Moë Contemporary (Wien), Nakt Festival / K3 Kampnagel (Hamburg), Casa del Sol (Los Angeles), BRDG, (Antwerpen), Ballhaus Ost (Berlin), UNIQA Tower (Wien).

→ Programm

Don’t lie in bed with shoes on

ANA PATIÑO / CAMILA RIVEROS
Sounds escape from a window. You stop and listen to something you're not meant to hear. 

Meanwhile, a voice excitedly invites you to enter a space and look closely. 

There is an ambiguity between inside and outside, between that which can be heard and that which can be seen. 

It's a game of opposites: DELIBERATE / INVOLUNTARY, HIDDEN / EXPOSED, PRIVATE / PUBLIC

Is there space left for intimacy in a world of broadcast emotions?


Camila Riveros and Ana Patiño work and live in Bremen Germany since five years, place where they started to work together. They like to mix media and projects where they have the chance to adopt new roles; they have been from machine operators (chinomatic) to designers of maniac behaviors. In their latest project they were THE DIRECTORS on a film that searched for an instant where fiction and reality intersect.

Performernce am 16. und 17. by Claire Seringhaus
(b. Halifax, Canada, 1983), multi-disciplinary artist and performer currently based in Bogotá, Colombia. Her work plays with ideas of the voice as a performative tool and a space of transformation. Recent projects have focused on the spoken voice as it relates to performed identity, technology and location.


→ Programm

Alles wird gut

Regie: CHRISTINA PFRÖTSCHNER
Bühne: JOHANNA MEYER, Schauspielerin: FRANZISKA SCHUBERT, Dramaturgie: SOPHIE DE BEUKELAER
Theater/Installation
Echoräume des Gewahrwerdens oder: was wir ab und an vergessen oder uns nicht trauen.

In dem leerstehenden Ladenlokal werden durch Unterteilung des Raums verschiedene neue Räume, sogenannte Echoräume geschaffen, die den vergessenen und verzögerten Dingen und Taten im Alltag ihren eigenständigen Widerhall geben.

Der Zuschauer kann sich zwischen 17 und 20 Uhr frei in diesen Echoräumen bewegen.
Echoräume, welche konkrete Situationen in theatraler und installativer Weise reflektieren.
Echoräume, welche die Besucher mit anleitenden, unterstützenden, verfluchten, gottverdammten Formelsprüchen begehen können- oder nicht.
Echoräume, die als unsichtbarer Beobachter oder als sich intergrierender Teil dessen ergriffen werden können.

ALLES WIRD GUT! ist besagte Zauberformel und reflektiertes Gegenstück.
ALLES WIRD GUT! Ist angewandte Phrase und konkretes Problem.
ALLES WIRD GUT! verstärkt die Reflexionen der Situationen im Moment.
Jeder Echroaum hat eine eigene Zauberformel, die dem Besucher an die Hand gegeben wird und mit derer er die Räume betreten kann. Die Formel stets im Kopf, im Bauch auf den Lippen behaltend, kann der Besucher selbst herausfinden, ob sie ihm weiteren Zugang zu den Dingen gewährt, als theoretisches Gerüst bestehen bleibt oder ihn ins Lachen zerfallen lässt.

Alles wird gut / 21.10.16


Christina Pfrötschner, Regisseurin.
*1985 in Duisburg geboren. Während ihrer Zeit als Regieassistentin am Schauspiel Essen und am Schauspielhaus Bochum arbeitete sie mit Regisseuren wie Anselm Weber, David Bösch, Roger Vontobel, Cilla Back, Antú Romero Nunes und Heike M. Götze zusammen. Am Nestroy-Theater in Wien assistierte sie bei Hans Peter Horner. 2013 inszenierte sie "Jimi Bowatski hat kein Schamgefühl" im Theater Unten.

→ Programm

Der Salon der Zeichner*innen debattiert

SALON DER ZEICHNER*INNEN
Können Debatten auch außerhalb der Sprache, z.B. mit dem Medium Zeichnung geführt werden? Werden neben formalen Inhalten auch andere verhandelbar? „Es ist anders, wenn Du den Stift gemeinsam mit anderen auf das Papier setzt.“ - denn die eigene Position muss klar gestellt werden. Der begrenzte Raum des Papiers bedingt allerdings beim andauernden Zeichnen eine räumliche Annäherungen, welcher durch die gegenseitige Aufnahme von Impulsen auch eine formale und inhaltliche folgen kann. Die anfänglichen Inseln von Zeichnungen gehen in einem weit verzweigten Ganzen auf - Konsens gefunden, Zeichenpapier durchgezeichnet? Oder führt die zunehmende Begrenzung des Zeichenraumes zu einem Beharren auf der eigenen Position, welcher ein Überzeichnen folgt? Oder gleicht sich die Mehrheit einer dominierenden Zeichenspur an und begibt sich in ein mimetisches Zeichnen für ein „gelungenes Ganzes“? Und werden in dem andauernden Prozess dann nicht doch wieder gegenläufige Spuren sichtbar, welche nach und nach die dominante Zeichenspur unterwandern?
Der Salon der Zeichner*innen besteht aus ca. 15 Personen, welche seit Oktober 2015 in Berlin mit gemeinschaftlich geführten Zeichen-Prozessen experimentieren. Präsentationen von Prozessen und Ergebnissen waren bisher u.a. in der Gedok Berlin, im KV Alte Schule in Baruth zu sehen.

→ Programm

MANIFEST HYBROSEXUELLER FREIHEIT

M SIMONS
Das Manifest Hybrosexueller Freiheit bedeutet den Beginn eines neuen Denkens über die Vielfalt sexuellen Erlebens.
Es ist der Versuch den Drang nach Definition, nach Kategorisierung und damit Einordnung eines Menschen, anhand seiner sexuellen Ausrichtung, zu dekonstruieren. Hierzu müssen die Wurzeln der heterosexuell manifestierten Gesellschaft in Angriff genommen werden.

Durch ihre Reformation wird ein neuer Ursprung geschaffen, aus dem ein zukünftiges liberales Erleben der unendlichen Vielfalt von Sexualitäten entstehen kann.
Denn der Mensch ist immer ein Konglomerat aus beiden Geschlechtern, er trägt auf Grund seiner Abstammung sowohl weibliche, als auch männliche Anteile in sich, er ist Hybrid.

Manifest hybrosexueller Freiheit - M Simons


Moritz Simons hat nach seiner zweijährigen Tätigkeit als Schauspieler am Jungen Theater Bonn begonnen Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität der Künste, Essen zu studieren. Während des Studiums bildete sich ein theoretischer und gestalterischer Fokus auf Kommunikation von Sexualitäten.
Anfang Juni 2016 gründete er den Off-Space SFSEX [Studio For Subjective Experiences]. Im Rahmen von drei Ausstellungen kuratierte er in Zusammenarbeit mit Maximilian Schneider künstlerische Positionen zu Themen sexueller Diversität abseits heteronormativen Denkens.
Mit dem Beginn des Masterstudiums in Critical Studies an der Akademie der bildenden Künste Wien wird er seine Untersuchungen und Forschungen fortsetzen. Ziel ist es durch alternative Ansätze ein neues Denken über die Zukunft sexuellen Erlebens anzustoßen.

→ Programm

The Speech Phase I

DORIS WEINBERGER
The Speech

Was genau ist das Geheimnis einer ergreifenden Rede?
Das Charisma, die Erscheinung, das Bild der oder der/s Vortragenden, der ansprechende Inhalt, das Gefühl für den Raum, die ausgefeilte Form des Textes und der Sprache oder eine wirkungsvolle Modulation der Stimme? Ist es der passende Kontext, die authentische Autorität, das richtige Publikum mit seinem Glaube an die (Imagination) der verkündenden Person und das von ihr Gesprochene?

In meiner Arbeit bitte ich Personen, die mir unbekannt und bekannt sind, um die Mitarbeit an einer Rede. Eine Rede, entwickelt aus Befindlichkeiten, Zuständen, Ängsten und Hoffnungen des Alltags mit der Option auf Utopie und Resignation. Sie geht aus von der Frage und der Antwort an sich selbst und reift, wird abstrahiert im Prozess des kollaborativen Aktes. Auszüge und Einsprengsel von Reden und Redner*innen in Historie, Religion, Wissenschaft und banaler Behauptung ergänzen die persönlichen Aussagen. Strukturen und Rhythmen fassen sie in eine performativ-auditiv-räumlichen Komposition.

Phase I

Um eine exemplarische Auswahl von Personen für das Projekt zu gewinnen, wende ich die Form des Befragens und dessen Auswertung an: 3000 Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts werden gebeten, je 10 Fragen an ihr Leben und 5 Antworten, die ihnen ihr Leben (bisher) gegeben hat, aufzulisten.

Eine Auswahl von 30 Auflistungen aus jeweils dem Frage und dem Antwort-Katalog führt zu deren Autorinnen und Autoren und zu einem anschliessenden Interview. Die Parameter der Auswahl sind die eingangs formulierten Bedingungsfragen an eine ergreifende Ansprache. Die Interviews sowie die Fragen und Antworten bilden die Inspirationsquelle und Basis der dann folgenden Ausarbeitung.
Die konzeptuellen Arbeiten von Doris Weinberger bewegen sich im Spannungsfeld zwischen inszeniertem Realismus und dokumentarischer Fiktion. Sie beinhalten gleichbedeutend immer den rahmengebenden Kontext, in dem eine spezielle Arbeit stattfindet (Historie, Anlass und Raum), das Ereignis selbst und die Vor- und Nachbereitung (Recherche, Dokumentation, Publikation).

Seit 2009 legt sie zu verschiedenen Fragen Experimentalsysteme an, die - im Sinne Hans Jörg Rheinbergers - im kompetenten Umgang ihre Möglichkeiten zur Geltung bringen lassen.

Ein weiterer Teil der künstlerischen Auseinandersetzung findet in der Künstlergruppe mark, der Kollaboration RAUMFINDER sowie in wechselnden Kooperationen statt. Zahlreiche Ausstellungen und Interaktionen im In- und Ausland.

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Debaters Anonymous

Auflösung des Geschlechts.
Transgender als beyond gender?
Die 5 - 7 teilnehmenden Debattierenden, die die Kuratorinnen unter Angabe eines kontroversen Themas einladen, agieren während dieser einstündigen Performance weitgehend anonym.
Keine Teilnehmer*innenliste wird vorab kommuniziert, keine Vorstellungsrunde, die Namen und Funktion bekannt gäbe, initiiert. Stattdessen sprechen sich die geladenen Debattierenden nur mit den Buchstaben A,B,C,D, E ... an. Die Debatte findet unter visuellem Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nur akustisch kann die Situation live verfolgt werden.
Auf Basis der Audio-Aufzeichnung wird eine schriftliche Publikation hergestellt, in der die alphabetisch geordneten Klarnamen und Funktionen bekannt gegeben werden, jedoch ohne individuelle Zuordnung zu A,B,C,D, E ....

Nagelneu: Nagelbar

Hendrik Quast & Maika Knoblich
Die Berliner Performer_innen Hendrik Quast und Maika Knoblich laden zur Maniküre in die Räume der „med. Fußpflege“ ein, die derzeit als öffentliches Arbeitszimmer von thealit für Veranstaltungen zur „DEBATTERIE!“ genutzt wird. In ihrer mobilen Nagelbar führen sie individuelle Typberatungen für ihre Kund_innen durch und bringen bisher unerprobte Styles auf den Nagel: „get wild, get abstract!“ Zwischen Handarbeit und Ich-AG bildet der Beruf der Nageldesignerin für Frauen einen zweiten Karriereweg, einen Wiedereinstieg ins Arbeitsleben und manchmal die erste berufliche Selbständigkeit. Auch Quast & Knoblich gingen diesen Weg und ließen sich über drei Monate zu zertifizierten Nagelkünstler_innen ausbilden. Neben Techniken der Nagelbettpflege und ausgefallenen Nagelkreationen beherrschen sie deshalb auch kundenorientierte Gesprächsführung (ohne Debatte!) und gewinnbringende Zeitoptimierung. So wird jede Behandlung zu einer Gratwanderung zwischen ökonomischen Interessen der Unternehmer_in und psychologischem Feingefühl zur Kundenbindung.

Koproduktion: SOPHIENSÆLE Berlin, Schwankhalle Bremen und FFT Düsseldorf. Gefördert aus Mitteln des Regierenden Bürgermeisters von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten und des Fonds Darstellende Künste. Gastspiel ermöglicht durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ im Rahmen der Gastspielförderung aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Kultur- und Kunstministerien der Länder.
In ihrer Zusammenarbeit leiten Hendrik Quast und Maika Knoblich Fragen aus Beobachtungen des Alltags ab und entwickeln daraus situations- und ortsspezifische Happenings und Aktionen. In der ihnen eigenen Expert_innen-Mimikry geht ein themenspezifisches Fachwissen hervor, das auf der Bühne sowohl im Tun als auch im Kommentieren erprobt wird.
www.quastknoblich.de

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Zukunft, Rest meines Lebens, ein Bild von Eugenia Gortchakova

Ausstellung in memoriam
Eugenia Gortchakova (posthum)
Das Gemälde von Eugenia Gortchakova wird bis zum 2. Februar zu sehen sein, im Zeitraum ihres nicht mehr realisierten Projektes „Gesten des Disputs“ im Rahmen des Labs DEBATTERIE! Antagonismen aufführen.

Zukunft, Rest meines Lebens – ein Bild von Eugenia Gortchakova from Claudia Reiche on Vimeo.



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