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Teil 3: Symposium 

 

11.-13. Februar 2011
Ort: K. Rabus Kulturprojekte - Plantage 13 Shed 6 - 28215 Bremen


Mit:

Anna Bromley
Ulrike Oudée Dünkelsbühler
Torsten Flüh
Jule Körperich
Malgorzata Kozlowska
Verena Kuni
Anja Kümmel/ Janine Lancker
Elisabeth Lebovici
Susanne Lummerding
Iris Minich/ Arvild Baud
Helene von Oldenburg/ Ellen Nonnenmacher
Valeska Peschke
Claudia Reiche
Mona Schieren
Kerstin Schroedinger/Mareike Bernien
Andrea Sick
Sissy Boyz
Gabriele Werner
Xyramat
 

 

 

 

 

Anna Bromley
FYEO/NSFW



Im Oktober 2010 führte Bromley eine Reihe standardisierter Interviews mit alleinselbstständigen Wissensarbeiterinnen durch, aus deren Fragmenten das szenische Hörstück FYEO/NSFW* entwickelt wurde.
Freelancer im Wissens- und Kulturbereich arbeiten in der Regel hochspezialisierten Projekten zu. Ihre hohen Geschäftsrisiken allein tragend, wird von ihnen erwartet, zeitlich und räumlich flexibel verfügbar sein. Häufig negieren sie ihre ökonomischen und arbeitsstrukturellen Interessen zugunsten von überdauernden ethischen Werten. Demgegenüber stehen empfundene Freiheiten in der Strukturierung der eigenen Arbeit, wie flexible Arbeitszeiten, -orte und -netzwerke. Allerdings stellt das auch die Frage nach dem Umgang mit persönlichen Ressourcen und dem Wunsch nach Integrität und Authenizität.

Der Sprecher-Hörer des Symposiums wird zum Zeugen von zuweilen synchron verlaufenden Veräußerungen und Bergungen einer privaten Identität durch körperlich abwesende (unsichtbare) Sprecher.

*FYEO und NSFW sind Abkürzungen der Social Media und meinen For Your Eyes Only und Not Safe For Work.

So. 13.02 -  12.15h

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Ulrike Oudée Dünkelsbühler
„Ein Text wird verraten“

Im Deutschen „übt“ man Verrat. Womit dem Verrat schon der Modus einer vielleicht notwendigen Wiederholung eingeschrieben ist. Mein Titel „Ein Text wird verraten“ bringt den Titel „Ein Kind wird geschlagen“ (Freud) in Rhythmus und Grammatik wiederholend in Anschlag. Er befolgt also womöglich diesen jeder Übungshaltung ab ovo eingetrichterten Wiederholungzwang. Aber was wird im Verrat wiederholt geübt?
Verrat, diese vielleicht extremste, bis zum Äußersten und über Ratgeben und Rätselraten hinausgehende Äußerung, kann eine ans Tageslicht gedrängte „Wahrheit“ sein: ich vertraue dir, ich vertraue dir etwas an, ja, ich vertraue ‒ tout court und mehr geht nicht ‒ mich dir an, indem ich dir mein größtes Geheimnis verrate: ein Moment der Liebe, auch der Liebe zur Wahrheit.
Andererseits und gleichzeitig ist Verrat das, was man als höchstes denunziatorisches Verbrechen bezeichnen und verüben kann, denn ich verrate das Geheimnis an dich, d.h. ich gebe es preis, liefere es aus und vernichte es somit als Geheimnis. Oder: du hast uns verraten ‒ Hochverrat!
In dieser Spanne performativer „Spitzensprechakte“ – zwischen der Liebe zur Wahrheit der Liebe und dem Verbrechen, das sie in den Dreck zieht – scheint das Wort „Verrat“ sich stets selbst üben, verüben und von sich künden zu müssen. Diese Kunde gilt es zu hören und zu lesen. So kann einen Text lesen heißen, Textverrat üben.

So. 13.02 -  11.15h

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Torsten Flüh
Trust in Treason



Verrat nach den Regeln des „schwulen Einwohnermeldeamtes“ Gayromeo

Das schwule Internetportal GAYROMEO (GR) wird in der Szene als „schwules Einwohnermeldeamt“ bezeichnet. Die Analogisierung ist für die Frage nach dem Verrat von Interesse. Ist GR in eine (totalitäre) staatliche Funktion getreten zur millionenfachen Selbst-Anwendung?

Wohnort, Aussehen, Texte, Partner, Sprachen werden ebenso abgefragt wie „Worauf du stehst“, „Körperdaten zum Sex“, „Fetisch“. Was datenschutzrechtlich vom Staat nicht abgefragt werden darf, wird zur Voraussetzung für Chat, Freundschaft und Sex. Wie lässt sich mit dieser Eingabemaske umgehen? Welche Rolle spielen Fakes statt Fakten?

Mit einem queeren Verfahren von struktureller Analyse, exemplarischen Einträgen und literarischem Schreiben möchte ich für das Internetportal GAYROMEO das Paradox vom Vertrauen in den Verrat herausarbeiten.

Super-Mächte wie GAYROMEO haben heimlich unter dem Lable einer Community eine Kolonialisierung schwuler Existenzen unter Marktgesetzen bewirkt. Wäre es deshalb möglich, mit Homi K. Bhabhas Postcolonialism GAYROMEO zu befragen?

Fr. 11.02 - 17.15h

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Jule Körperich
Der Verrat fremder Ideale - eine Begriffsbestimmung des Verrats aus juristischer Sicht.

Während sich aus philosophischer Sicht eine Auseinandersetzung mit Ambivalenz und Konsequenz des Verrats eigener Ideale geradezu aufdrängt, kreist der juristische Diskurs ausschließlich um den Verrat fremder geschützter Interessen. Die Straftatbestände von Hochverrat, Kriegs- und Friedensverrat, Landesverrat, Geheimnisverrat und Parteiverrat sollen im Rahmen dieses Vortrags anhand von exemplarischer Rechtsprechung durchleuchtet und die zugrundeliegenden Begrifflichkeiten dargestellt werden.

Sa. 12.02. - 15.30h

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Malgorzata Kozlowska
Treason/Verrat as Enlightenment

In my paper I would like to present treason as a psychological phenomenon. Although in many psychological approaches (starting from Freudian) treason is often connected with pain and suffering, it can cause a great change in knowledge, mindset, psyche or spiritual life, especially when we focus on betraying of one’s self. The main question which should be answered is: Is our self really ours or is it given by someone else? Or maybe it can be chosen? The chosen perspective of self may change our attitude toward treason. It can take it from (im)moral "frames". Both interpersonal and personal (self) treason can be either the main factor or the result of enlightenment. It can free us or be a sign  of freedom. A sign of freedom can be understood as the process and the effect of self betrayal (if we assume that the treason was done to our-not our self). By the act of betraying what we think we are, we may become free and at the same time we can show that we are free. Moreover, I would like to discuss possible reasons of such treason, its processes and effects, showing possible risks and rewards

Sa. 12.02. - 10.00h

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Verena Kuni
// Exercices in sobbing //



do you want to play betray? you are welcome. enter: /SOBe. usrID: guest pwd: SOD. we recommend to start with the first level. carefully read the instructions. watch your steps.
you will probably need further advice. there will be hints and cheats offered. however, do not take these as granted at any time. as there will be traps and dead ends as well. mind the gap. and mind the closures.
                364-39-161-299 65 321-138-233-137-367-26 53 53

          358-204-106-308 302-99 156-269-376 128 67-294-371-130

//
just as in many other games also in GoL SOD is generic. when entering the game the player agrees upon a given set of rules, SOD usually being the most important to be accepted throughout the duration of the game and even beyond. virtually, SOD may be extended for ever and ever.
this means players will (and will have to) strongly rely on SOD – whatever happens, at all hazards, at any rate. neither accepting hints nor using cheats is breaking the rules. but what if betrayal comes into play? in fact, just as in many other games also in GoL betrayal is generic. generally the majority of players will either reject, consciously or unconsciously ignore this fact or at least try to avoid any confrontation. yet situations may occur in which betrayal is afforded not only for a single player or a group of players to successfully pass and/or to proceed to the next level, but for the game as a whole. in this case, SOB is either needed as a crucial feature or may even turn out to be the goal. in other words: if, just as in many other games also in GoL SOD is generic, there is a high probability that the very same is true for SOB as well.
thus it will be useful, if not necessary to get familiar with SOB, to explore methods and strategies of SOBBING and to train related skills.
the workshop* offers a basic introduction to the principles of SOB and invites to further develop a set of EXERCISES IN SOBBING. //

* please note:
EXERCISES IN SOBBING is considered as a workshop in two phases. phase I is optional and could/should start in september 2010 (parallel to/as one of the betrayal research labs in Bremen) as an online workshop-lab. phase II is nodal and would take place as live format in the framework of the art & theory lab in Bremen in february 2011. phase II will partly settle upon the outcomes of phase I; however, participants can join both phases independently.

Fr. 11.02. - 16.45-17.15h Treff mit Verena Kuni am online Terminal, zu ihrem Spiel SOB

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Anja Kümmel/ Janine Lancker
EIN.WEG.SPIEGEL
Szenische Lesung

Zwei Frauen, getrennt durch eine Leinwand, sprechen von ihren Lebenswelten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Die eine erfüllt, eingebunden in familiäre Pflichten, die gesellschaftlichen Funktionen von „Produktion“ und „Reproduktion“. Unbewusst sträubt sich etwas in ihr gegen diese Rolle; ihr Leben wird zum Verrat an sich selbst. Die zweite Erzählerin hat längst einen Verrat am Gesellschaftsvertrag begangen. Sie existiert, als blinder Passagier im Bauch der normativen Gesellschaft, jenseits traditioneller Geschlechterrollen, außerhalb kleinfamiliärer Gemeinschaften, in Freiheit und Einsamkeit. Zwischen den beiden Frauen scheint es kaum Berührungspunkte zu geben. Oder doch? Indem sich der Verrat als möglicher Ursprung für das Auseinanderdriften beider Lebenswelten herauskristallisiert, wird die Frage aufgeworfen, ob es einen zweiten Verrat, einen Verrat am Verrat geben kann, und welche Konsequenzen diese Doppelung hätte.

Sa. 12.02. - 12.15h

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Elisabeth Lebovici
afterimage/alterimage

We live in a world where you might find one day an image of yourself that you have never seen, or that you have forgotten about, circulating on the world wide web, where you might have a profile on facebook that you have not activated, where your control on your image is questioned.
We live a world where, even before you're born, there's already a bunch of ultrasound pictures of you that somebody has posted on his/her blog, writing as you and for you, maybe.
Is this treason?
"Was is verrat?"
What happens with identity this world of pasting and posting? What happens, too, with the model for identification as delineated by psychoanalyst Jacques Lacan in the mid XXth Century (1949) under the title "The Mirror Stage as formative of the function of the Ego?" This led the foundations for a visual knowledge of the body which would always be seen through a prior ordering of sexual and generational difference. What happens with these preconceptions online?

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Susanne Lummerding
Verraten + Verkaufen
Versicherung · Betrug · Maß

Verrat setzt 'Etwas’ voraus, das zu verraten ist –
– unter anderem Vertrauen.
Vertrauen wiederum bezieht sich auf Sicherheit –
– Sicherheit von 'Etwas’ – also einer 'Existenz’.
Genau an jenem 'Etwas’ hält Verrat zugleich bestätigend fest –
– notwendigerweise –
– ist also grundlegend darauf angewiesen.
Denn ohne 'Etwas’ gäbe es nichts zu verraten.
Somit stellt sich – ganz im Vertrauen – die Frage,
was zum Verrat und Verkauf steht –
– im analytischen wie politischen Sinn.
Anhand von Staatsaffairen und Grenzziehungsproblemen,
Hoch- und anderem Verrat sollen u.a. folgende Fragen verhandelt werden:
Worauf dürfen wir vertrauen?
Bzw.: Wie konservativ ist Verrat?

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Iris Minich/ Arvild Baud
Das Gefangenendilemma



Tit for tat, mistrust, spite, punisher, pavlov, prober, master and servant, always defect, always cooperate, go by majority sind häufig gebrauchte Strategien, die man für das  in dt/engl Sprache vorgestellte Spiel wählen kann .
Die Bezeichnungen geben eine Ahnung wie omnipräsent es auf allen zwischenmenschlichen Ebenen in sämtlichen ökonomischen und politischen Systemen bewusst und/oder unbewusst gespielt wird. Es basiert auf dem von amerikanischen Wissenschaftlern in den 50ern des 20ten Jahrhunderts  entwickelten  „Gefangenendilemma“,das seitdem einen zentralen Bestandteil der  Spieltheorie bildet.
Die Abwesenheit von moralischer Bewertung und Emotionen in der Inhaltlichkeit, sowie die Form lassen Raum sich dem Themenduo Verrat/ Kooperation möglichst variabel zu nähern, ermöglicht einen kleinen Blick in das „was die Welt im Innersten zusammenhält“, was zugleich die Intention der selbstdarstellenden Künstler ist.

Fr. 11.02. - 15.00h

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Helene von Oldenburg/ Ellen Nonnenmacher
"Verraten und Verkauft"
Ein Brettspiel mit Karten und Würfeln, Strategie und Zufall.



In Zeiten von Facebook, Phishing und dem Handel mit  Schweizer Bankdaten wird deutlich, dass der „Gläserne Bürger“ längst keine Fiktion mehr ist. Bisher Selbstverständliches wie Privatsphäre, Arztgeheimnis, Bankgeheimnis müssen aktiv geschützt werden. Einerseits gilt eine Kultur des Alles-Preisgebens (je mehr man über eine Person weiss, desto wichtiger ist sie), andererseits wird es immer schwerer sensible Daten überhaupt geheim zu halten oder auch nur kontrolliert zu veröffentlichen.

Das Spiel "Verraten und Verkauft" thematisiert den Umgang  mit Informationen, die kürzere oder längere Zeitabschnitte geheim bleiben oder nur selektiv ver- öffentlicht werden als notwendigen kulturellen, politischen, wirtschaftlichen, zwischen-menschlichen und/oder innerpersönlichen Prozess. Das Spielkapital sind Geheimnisse – von Zugangscodes, peinlichen Fotos, Bankdaten, Süchten, Idealen, Versprechen, Träumen, Plänen, bis hin zu Anvertrautem.

Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Geheimnisse möglichst lange geheim zu halten.

Fr. 11.02. - 18.00h

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Valeska Peschke
Zero Space Bags

    

„Jeder trägt einen Raum in sich“, schreibt Franz Kafka. Jeder trägt auch einen Raum mit sich durch andere Räume hindurch. Was verraten diese Räume von ihren Trägern, wie sehen sie aus?

Mit Zero Space Bags erforsche ich traverse Räume: Taschen, die Erinnerungen sammeln, die die Bilder der vorgestellten und zukünftigen Orte einschließen und Raum lassen für das Unbekannte. Räume der Erinnerung in Taschen mit (un)nüt- zlichen Sachen werden hindurchgetragen durchs tägliche Leben. Beim Durchlaufen der Stadt sind die Dinge eingeschlossen in einer Tasche und warten auf das einloggen, aufschliessen, ausgeben, zurückbekommen, ein-und anstecken.
 
Wie sehen die Räume aus, wenn ich in einer transitorischen Situation mit meinem mobilen Telefon kommuniziere? Was entsteht, wenn die kommunizierten und mobilen Räume in der Bewegung herausgefordert, durchkreuzt oder gehindert werden? Ich frage mich, wohin mich diese ‚handy spaces’ tragen. Mit mir schlüpfen Räume durch andere Räume durch und stülpen sich zu einer Klein’schen Flaschentasche.
Zero space bags – der Antritt einer Reise, die mich als grenzenlos verrät?

So. 13.02. - 13.00h

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Claudia Reiche
"the x-effect", Fallstudie zum zeitgenössischen Humor



"X-Effect - Die neue Show auf MTV stiftet Liebe. Oder Hass! Wie das geht? Ganz einfach: In jeder Episode werden zwei Ex-Partner mit ihren aktuellen Partnern für ein Wochenende in ein romantisches Hotel eingeladen. Blöd nur, wenn die aktuellen Partner aus mysteriösen Gründen nicht einchecken können und wieder nach Hause geschickt werden. So finden sich plötzlich der Ex-Freund mit der Ex-Freundin in romantischer Umgebung wieder. Was die beiden nicht wissen: ihre aktuellen Partner beobachten sie heimlich, wenn es zur Sache geht. Ob sich die Ex-Geliebten die Kleider vom Leib reißen oder ob die Fetzen fliegen? Die Antwort gibt es nur bei 'X-Effect'!" (MTV, 2007)
 
Ich lernte die Serie zufällig kennen, als ich nachschaute, welches TV-Format denn derartiges Amusement, insbesondere bei beobachteten Verführungs- und Sex-Szenen, in einer Gruppe junger Frauen auslöste. Meine Präsentation wird versuchen die Ebenen des medialen und persönlichen Verrats und der (heimlichen?) Übrwachung aufzufalten – für eine Studie zeitgenössischen Humors. 

Sa. 12.02. - 14.45h

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Mona Schieren
Verrat a/im Quadrat

Mutmaßungen zu Übermittlungsprozessen im künstlerischen Handeln von Agnes Martin

Agnes Martin malt und zeichnet auf quadratische Flächen Rasterfelder, die leicht vom quadratischen Bildformat abweichen. Zwischen Quadrat und Raster entstehen Dissonanzen. Die Künstlerin interessiert sich für diverse philosophische Denkfiguren Asiens, Europas und indigener Kulturen Nordamerikas, die sie sich en passant aneignet. Hätte jemand behauptet, dass Agnes Martin nur ein Stippen in Gedanken betreibt und damit die „hehre reine Idee“ verrät?
Hier stellt sich die Frage, inwiefern man bei dem Aneignungsverfahren Agnes Martins von Verrat sprechen kann. Ist es überhaupt möglich – ´Originale´ – Ideen ´an sich´ zu transferieren? Im Konzept der Mediologie des französischen Philosophen Régis Debray wird hingegen das komplexe Übermittlungssystem von übertragenen Ideen und Diskursen mit seinen Überträgern, Agenten und Institutionen in den Blick genommen. Sein Modell der Transmission schließt „Fehler“ bei diesen Prozessen mit ein und stellt sie sogar als Qualität heraus: Um gut zu übermitteln, sei es notwendig zu transformieren und zu konvertieren. Sind diese Sprünge und blinden Passagiere also Verrat?

Sa. 12.02. - 10.45h

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Kerstin Schroedinger / Mareike Bernien
Would you betray the original?



Bedeutet Übersetzung einen Verrat am Original zu begehen?
Wie eignet sich eine Übersetzung das Original an? Verrät es es dabei?

Übersetzung ist eine Form. Sie ist das Öffnen einer bestimmten Bedeutung, die den Originalen innewohnt und die sich in ihrer Übersetzbarkeit äußert. Übersetzbarkeit heißt, eine grundsätzliche Offenheit der Transformation von Bedeutung anzunehmen, die Unabgeschlossenheit eines Textes als dessen Seinsform zu akzeptieren.
Eine Übersetzung verrät dabei die ursprüngliche Bedeutung durch die Behauptung sie wäre dem Original getreu.
Benjamin beschreibt in Die Aufgabe des Übersetzers die Übersetzung als ein Verhältnis. Dieses stellt sich – anders als durch eine vage Ähnlichkeit der Nachbildung zum Original – vielmehr als eine Art Echo zwischen zwei Sprachzuständen her.
Dieses Echo braucht Raum, Distanz und Zeit, um einen Widerhall zu erzeugen, um überhaupt Echo sein zu können.
Was passiert wenn dieser Raum gelöscht wird? Wann wird aus der Übersetzung eine Form von Gewalt?

Would you betray the original?

S0. 13.02. - 10.30h

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Andrea Sick
Denn Freunde sind Verräter ...
Prinzipien einer Kehre

Die sozialen Netzwerke zählen Gefolgschaften als Freunde und bezeugen so ihren Traffic. Die vielen Freunde finden sich, sind sie nicht nur gezählt sondern anhand ihrer Auftritte auch noch vertagt, in einer endlosen Evaluationsmaschine wieder, die ebenso erstaunliche Verknüpfungen hervorzubringen verspricht wie sie auch weitere Freundschaften verbuchen kann. 

Die Feedbacks eines aufgespeicherten Verrats, die Geheimnisse – schon lange als wichtiger Faktor im Geschäft der Freundschaft gehandelt –, könnten dann im Feld der Tag-Wolken "serendipity effects" provozieren, die zukünftig systemgetreu gesammelt und reproduziert werden. 
Wäre in einer solchen endlosen Schleife der "Politiken der Freundschaft" noch eine Unterbrechung denkbar? Der Vortrag macht sich auf die Suche, nach diesem Verrat.

Fr. 11.02. - 15.45h

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Sissy Boyz
„Haben die Boyz ihre Fans verraten? Oder was?“
Performance

Die Performance wird während der Probezeit im Januar entstehen.
Dauer 15 Minuten

Autogrammkarte Sissy Boyz, Photo: Johanna Ahlert    Autogrammkarte Sissy Boyz, Photo: Johanna Ahlert

Sa. 12.02. - 17.00h

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Gabriele Werner
Emma und Vienna oder die Maskeraden des Verrats

Never seen a woman who was more a man. Never trust in appearances: Nicolas Rays Film “Johnny Guitar. Wenn Frauen hassen” von 1954 soll eine verhüllte Auseinandersetzung mit dem “House Un-American Activities Committee“ sein. Auf einer offenkundigen Ebene scheint diese Übertragung einfach erzählt. Emma setzt Turkey so lange zu, bis dieser Vienna und Johnny Guitar als vermeintliches Mörderpaar an den Sheriff verrät.
Auf tiefer liegenden Ebenen enthüllt sich „Verrat“ allerdings auf vielfältige Art. Sowohl Emma als auch Vienna repräsentieren unterschiedliche männliche Western-Film-Charaktere, während der männliche Haupt-Protagonist in melancholischer Passivität die Ereignisse über sich ergehen lässt. Offensichtlich spielt der Film es nicht aus, aber er bietet genügend Anlässe zur Spekulation darüber, dass der Hass, der Emma antreibt, die unerfüllte Liebe zu Vienna ist.
Wenn die Kritik an dem HUAC eine Kritik an dem Verrat eigentlicher amerikanischer Werte ist (ähnlich wie in „Good Night and Good Luck“), was lässt sich dann über die Funktion der mit dieser Kritik artikulierten Geschlechterkonstruktionen sagen? Zu welchen Auffassungen von Verrat führt die Analogie von Film und HUAC unter der Berücksichtigung der Konstruktionen von Weiblichkeit und Männlichkei

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Xyramat
Xyramat-Verrat



Ich begehe permanent Verrat, ich akzeptiere nicht die Rolle als Frau, kritisiere diese insbesondere in den letzten Jahren in der Clubszene, begehe Verrat an Musikschablonen, in dem ich das Publikum ggf. zum Tanzen und konditionierten Schreien bringe, ohne DJ-Skills im eigentlichen Sinne einzusetzen. Ich begehe Verrat, da ich nicht nur Clubs führen kann und geführt habe, sondern auch Musik mache und veröffentliche. Ich begehe weiter Verrat, da ich eine Radio Sendung "Female Pressure Radio Show" auf FSK in Hamburg mache und als Kriminologin Geld verdiene. Zugleich mache ich experimentelle Musik und werde in diesen Kreisen aufgrund meines freien Umgangs mit den in der Szene vorhandenen und definierten Grenzen, die dem Begriff Experiment widersprechen, eher argwöhnisch betrachtet. Für die Techno-Szene bin ich experimentell und für die experimentelle Szene bin ich technoid. Ein einziger Verrat. Und das alles absichtlich. 



Das Ganze findet nun eine vorübergehende  Krönung in einer Vinyl-Scheibe, wohlgemerkt eine Single, nicht das übliche DJ-Format. Das Ganze heißt: "Lack klebt auf Schwarzgeld nicht", die  in einer Auflage von 100 Stück erschienen ist.. Ein weiterer Verrat. Auf der Single ertönt experimentelle Musik mit Beats. Ein einziger Verrat u.a. an Schablonen und Definitionen, die über u.a. die Zugehörigkeit und letztendlich den sog. Marktwert entscheiden (wollen/sollen/können). 



Ist das Verrat?

Herzlichst

Xyramat



www.myspace.com/xyramat

Präsentiert wird diese Frage in der Form eines Konzertes "Verrat" von und mit Xyramat, welches speziell für die Präsentation erarbeitet werden wird. Das Ergebnis und die Form ist derzeit ungewiss. Ein Verrat?

Sa. 12.02. - 21.00h

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