Phalanstère to Jinwar: Utopismus & Feminismus @ thealit

Bessere Welten
… in weiblichen Zukunftsräumen?  

Was Weiblichkeit, Utopie und Experimente mit neuer (revolutionärer) Gesellschaftsordnung ergeben können, dies stellt die Rauminstallation: From Phalanstery to Jinwar. Female future spaces – von Asli Serbest und Mona Mahall zur Debatte. Zu sehen ab Dienstag, 12. bis  Samstag, 16. Februar bei thealit.

Gestartet wird am 12. Februar um 19 Uhr, Dienstag, Vor dem Steintor 133 in thealits Arbeitszimmer mit der Eröffnung, einem Bericht und gemeinsamer Diskussion.  Asli Serbest und Mona Mahall   (gemeinsam bilden sie das Kollektiv m-a-u-s-e-r) werden  Evin Emir (von der Rojava Fraueninitiative) zu Gast haben!

Für den Fall, dass "le phalanstère" nicht ganz geläufig ist, kommt hier eine kleine Beschreibung: Das Wort ist vom griechischen „Phalanx“, nämlich „Baumstamm“, „Walze“ zu dem einem Bestandteil gebildet, was eine militärische Schlachtreihe schwerbewaffneter Infanterie in dichtgeschlossener Kampfformation bezeichnet. Zum anderen, zweiten Bestandteil wurde in der Begriffsbildung das französische Wort für Kloster, nämlich „monastère“ genommen. Die Etymologie zeigt hier bewaffneter Kämpfer_innen als mit einer frommen, strikt reglementierten Stätte gemeinschaftlichen Lebens zusammengefügt.

Das Phalanstère ist eine von dem frühsozialistischen Reformer und Utopisten Charles Fourier (1772–1836) entworfene landwirtschaftliche oder industrielle Produktions- und Wohngenossenschaft für eine  Phalanx-Gemeinschaft, idealerweise mit 1620 Personen. Diese Menschen sollten in der Phalanstère-Anlage  gemeinsam leben, frei lieben und arbeiten.*

Demgegenüber: Wie nun Asli Serbest und Mona Mahall.die Phalanstère in den Blick nehmen, verspricht spannend zu werden, denn es soll ja von den frühsozialistischen Utopien zu einem heutigen Dorf kurdischer Kämpferinnen gehen. "Jinwar", jedenfalls, bezeichnet ein entstehendes "Free Women’s Village" , in Rojava, Westkurdistan/ Nordsyrien: ein ökologisches Dorf mit kurdischen Kämpferinnen, die gegen den IS gekämpft haben. "As images of the Women’s Defense Units’ (YPJ) successful resistance against ISIS continue to spread all over the world, the Rojava Revolution has shown the true potential of women. Now, the women of Rojava have come together once again to continue in their struggle for a free and peaceful life through the creation of an ecological women’s village called JINWAR."

Die Installation untersucht feministische Entwürfe zu Räumen, die ein freies, gleiches und staatenloses Zusammenleben ermöglichen sollen und  eine andere politische, soziale und kulturelle Verfassung.

Ob im Zentrum dieser Fragen die nach der utopischen Vollendung der Politik stehen wird? Totalitäre ebenso wie fromme  Wünsche?  Wie stehen architektonischne und regulatorische Konkretionen zur Un/möglichkeit der Freiheit? Wie ist das "Freie" der "free women" zu denken?

*Walter Benjamin stellte diese Fourier’sche Utopie noch als verzahntes System aus Lebensvorschriften für eine Maschinerie aus Menschen dar. Wie das?
„In dem Traum, in der jeder Epoche die ihr folgende in Bildern vor Augen tritt, erscheint die letztere vermählt mit Elementen der Urgeschichte, das heißt einer klassenlosen Gesellschaft. […] Diese Verhältnisse werden an der Fourierschen Utopie kenntlich. Deren innerster Anstoß liegt im Auftreten der Maschinen. Aber das kommt in ihren Darstellungen nicht unmittelbar zum Ausdruck; sie gehen von der Unmoral des Handelsgeschäfts sowie von der in seinem Dienste aufgebotenen falschen Moral aus. Das phalanstère soll die Menschen zu Verhältnissen zurückführen, in denen die Sittlichkeit sich erübrigt. Seine höchst komplizierte Organisation erscheint als Maschinerie. Die Verzahnungen der passions […] sind primitive Analogiebildungen zur Maschine im Material der Psychologie. Diese Maschinerie aus Menschen produziert das Schlaraffenland, das uralte Wunschsymbol, das Fouriers Utopie mit neuem Leben erfüllt hat.“ Paris, die Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts , 1935